Description
Es ist philosophische Aufgabe gewesen, eine Weltanschaung zu gleich als wissenschaftliche Erkenntnis und als Lebenslehre zu ent wickeln. Die rationale Einsicht sollte der Halt sein. Statt dessen wird in diesem Buch der Versuch gemacht, nur zu verstehen, welche letzten Positionen die Seele einnimmt, welche Krfte sie bewegen. Die faktische Weltanschauung dagegen bleibt Sache des Lebens. Statt einer Mitteilung dessen, worauf es im Leben ankomme, sollen nur Klrungen und Mglichkeiten als Mittel zur Selbstbesinnung gegeben werden. Wer direkte Antwort auf die Frage will, wie er leben solle, sucht sie in diesem Buche vergebens. Das Wesentliche, das in den konkreten Entscheidungen persnlichen Schicksals liegt, bleibt ver schlossen. Das Buch hat nur Sinn fr Menschen, die beginnen, sich zu verwundern, auf sich selbst zu reflektieren, Fragwrdigkeiten des Daseins zu sehen, und auch nur Sinn fr solche, die das Leben als persnliche, irrationale, durch nichts aufhebbare Verantwortung er fahren. Es appelliert an die freie Geistigkeit und Aktivitt des Lebens durch Darbietung von Orientierungsmitteln, aber es versucht nicht, Leben zu schaffen und zu lehren. Heidelberg. Kar! Jaspers. VORWORT ZUR VIERTEN AUFLAGE. Dies Buch meiner Jugend aus der Zeit, als ich von der Psychiatrie her zum Philosophieren kam, aus der Zeit des ersten Weltkriegs und der Er schtterung unserer berlieferung, ist das Ergebnis der Selbstbesinnung jener Tage. Es erscheint jetzt, nachdem es fast zwei Jahrzehnte vergriffen war, unverndert in neuer Auflage. Inhaltsbersicht.- 1. Was eine Psychologie der Weltanschauungen sei.- Weltanschauungspsychologie und prophetische Philosophie.- Weltanschauungspsychologie und Psychologie berhaupt.- 2. Quellen einer Weltanschauungspsychologie.- 1. Eigene Erfahrung der bewegten Weltanschauung.- 2. Das anschauende Sich versenken in Situationen, Sphren und gegenwrtige Menschen.- 3. Historische Erfahrung.- 4. Die schon vorhandene Psychologie der Weltanschauungen.- 3. Systematische Grundgedanken.- Allgemeines: Das uere Verfahren beim Versuch zu ordnen.- Einige Gesetzmigkeiten aller Systematik.- 1. Einlinigkeit.- 2. Einheit und Vielerlei, System und Katalog.- 3. Unvermeidlichkeit der Schematik bei theoretischer Arbeit.- 4. Eigenschaft der Grundeinteilung.- Grundgedanke der Subjekt-Objekt-Beziehung.- Erlebnisstrom. Subjekt-Objekt-Spaltung und Mystik.- Mgliche Miverstndnisse.- Abstrakte bersicht ber die Vieldeutigkeit der Subjekt-Objekt-Beziehung.- 1. Unmittelbar, reflektiert, fr uns.- 2. Das Einzelindividuum als ein Ausschnitt.- 3. Die Beweglichkeit der Subjekt-Objekt-Beziehung zwischen zwei Unendlichkeiten.- 4. Das Gitterwerk der transzendentalen Formen.- 5. Die Krfte (Ideen).- Grundgedanke der Entwicklungsreihen.- Die dialektische Ordnung.- Vier Abwandlungsprozesse weltanschaulicher Gestalten.- Begriff des “Substantiellen”. Gefahr der Metaphysik und der bloen Wertung. Korrekturen.- 1. Echtheit und Unechtheit.- 2. Formalisierung.- 3. Differenzierung.- 4. Isolierende Verabsolutierung.- 4. Disposition.- I. Die Einstellungen.- A. Gegenstndliche Einstellungen.- 1. Aktive Einstellung.- Die Kategorien dieser Einstellung. Formalisierung. Spielende Einstellung.- 2. Kontemplative Einstellung.- Allgemeines. Historische bersicht ber Einteilungen des Kontemplativen bei Plato, Eckhart, Spinoza, Kant, Schopenhauer, Hegel. Das Gemeinsame.- Arten des Kontemplativen.- a) Intuitive Einstellungen.- b) sthetische Einstellung.- c) Rationale Einstellung.- Allgemeine Charakteristik.- Die Denktechniken.- 1. Scholastische Denktechnik.- 2. Experimentierende Denktechnik.- 3. Dialektische Denktechnik.- Abgeleitete Gestalten.- 3. Mystische Einstellung.- Allgemeine Charakteristik.- Ausdrucksversuche des Mystischen.- Arten der Mystik.- Abgeleitete Gestalten.- B. Selbstreflektierte Einstellungen.- 1. Kontemplative Selbstreflexion.- 2. Aktive Selbstreflexion.- a) Genieende Einstellung.- b) Asketische Einstellung.- c) Selbstgestaltung.- Ganzheitsidee. Leitbilder (Skala vom Echten zum Unechten). Mannigfaltigkeit der Selbstgestaltung nach Arten des Selbst.- Plastische Persnlichkeit und Heiliger.- Abgeleitete Gestalten.- 1. Des Heiligen.- 2. Der plastischen Persnlichkeit: Epikureer, Pflichtmensch und Stoiker. – Formatierung.- Sichselbstwhlen.- 3. Reflexive und unmittelbare Einstellung; der Augenblick.- Exkurs: Das Nachdenken ber die Zeitbegriffe.- a) Historisches.- b) Systematische Ordnung.- Der Augenblick als letzte Realitt.- Zwei Gegensatzpaare.- 1. Der Zeitmoment blo Mittel fr die Zukunft und unmittelbare Lebendigkeit.- 2. sthetische Isolierung des Augenblicks und Eintauchen des Augenblicks in eine. Ganzheit.- Unmittelbarer, reflektierter und erfllter Augenblick.- Stufen der,,fonction du rel”.- Die Weite des Augenblicks.- C. Die enthusiastische Einstellung.- Allgemein: Grenzenlosigkeit, Totalitt, Substanz. Unterscheidung von der mystischen Einstellung.- Genauere Beschreibung.- 1. Einheit der enthusiastischen Einstellung.- 2. Die Selbstaufopferung.- 3. Der Gegenstand ist auf spezifische Weise gegeben.- 4. Enthusiastische Einstellung ist nur in der Realitt.- 5. Enthusiastische Einstellung ist Liebe.- a) Liebe ist universal.- b) Liebe und Triebe.- c) Spezifischer Gegenstand.- d) Liebe und Verstehen.- Bewegung. Kmpfen.- Abgrenzungen.- 1. Psychologisches Verstehen.- 2. Mitleid.- 3. Erziehen.- Liebe der Geschlechter.- Gegenstand: in der Welt – auer der Welt.- 6. Enthusiasmus und Schaffen.- Formalisierung: Enthusiasmus und Rausch.- II. Weltbilder.- Begriff der Weltbilder und die Aufgabe einer verstehenden Psychologie der Weltbilder.- Idee des absoluten Weltbildes und der Perspektive.- Typische Reihen von Weltbildern.- a) Erlebtes (verwachsenes) – objektiviertes (gewutes) – blo gewutes (formalisiertes) Weltbild.- b) Die Differenzierungsprozesse.- 1. Vermittlung durch das Bewutwerden.- 2. Ausbreitung der Auffassungs- und Erfahrungsfhigkeit.- 3. Einheit und Mannigfaltigkeit.- 4. Entwicklung zur Unendlichkeit.- c) Die Trennung der verschiedenen Weltbilder. Arten der Einteilung.- Quellen einer psychologischen Betrachtung der Weltbilder.- A. Das sinnlich-rumliche Weltbild.- Umwelt, Reizwelt, Weltbild.- Unmittelbare Welt, begrenzter Kosmos, Unendlichkeit.- Naturmechanisches Weltbild.- Naturhistorisches Weltbild.- Naturmythisches Weltbild.- Verabsolutierung dieser Weltbilder. Ihr Kampf.- Ihr Zusammenhang und ihre Synthese. Wertimg der Natur.- Das technische Weltbild.- Technisches Leisten. Knnen. Magisches Wirken.- Arten der technischen Weltbilder.- B. Das seelisch-kulturelle Weltbild.- Das Verstehbare ist im Sinnlich-Rumlichen gegeben; Konsequenzen dessen.- I. Reihe: 1. Die unmittelbare Welt.- 2. Das Andere und Fremde (objektive Kulturwelt und subjektive Erlebniswelt).- 3. Das Weltbild unendlichen Verstehens.- II. Reihe: 1. Kulturen.- 2. Menschliche Persnlichkeiten.- 3. Das seelenmythische Weltbild.- Verabsolutierung: Historismus und Psychologismus.- C. Das metaphysische Weltbild.- Begriff desselben. Das Absolute als unvermeidlicher Ort.- Gemeinsam.- 1. Anschaulichkeit aus den anderen Weltbildern.- 2. Bewegung, die jedes metaphysische Weltbild wieder relativiert.- 3. Eigentliche Wirklichkeit.- I. Der Ort des metaphysischen Weltbildes als eines einzelnen Ganzen im Ganzen der Weltbilder.- 1. Die unmittelbare Ganzheit.- 2. Die Spaltung in Diesseits und Jenseits.- 3. Die Wirklichkeitsstufen.- II. Die inhaltlichen Typen.- 1. Das mythologisch-dmonische Weltbild.- a) Das unmittelbare mythologische Weltbild.- b) Die spezifischen Erfahrungsquellen.- c) Das Weltbild im Hange zum Wunderbaren.- d) Das Dmonische im Weltbild Goethes.- 2. Das philosophische Weltbild. Allgemeines.- a) Die Verabsolutierung einzelner konkreter Weltbilder.- b) Das rationalistische und panlogistische Weltbild.- c) Die negative Theologie.- d) Das mythisch-spekulative Weltbild.- III. Typen des philosophischen Denkens.- III. Das Leben des Geistes.- 1. Die Wertungen und Werttafeln.- 2. Die Grenzsituationen.- Allgemeine Charakteristik und bersicht.- 1. Die antinomische Struktur des Daseins.- Begriffe von Gegenstzen. Begriff der Antinomien.- Abri der Antinomien.- I. Die Antinomien auf der Seite des Objekts.- Fr das Denken und Erkennen.- Fr das Werten und Handeln.- II. Die Antinomien von der Subjektseite her.- Reaktionen auf die antinomische Situation.- Das antinomische Weltbild.- 2. Leiden.- Allgemeine Charakteristik.- Reaktionen.- Optimismus – Pessimismus.- “sich herumdrcken, ttig sein, bekmpfen, bejahend umformen.- Das Leiden als Totalitt gesehen.- resigniert, weltflchtig, heroisch, religis – metaphysisch.- Lehre und Leben.- Kierkegaard und Nietzsche: Leiden oder Lust als letztes.- 3. Einzelne Grenzsituationen.- Kampf 2.- Tod.- Zufall.- Schuld.- 3. Der lebendige Proze.- 4. Die Struktur der Geistestypen.- A. Skeptizismus und Nihilismus.- Begriff des Nihilismus.- Zusammenhnge, die zum Nihilismus fhren.- 1. Die Erfahrung des Sichselbstwidersprechens in der Wirklichkeit.- 2. Die Reflexion in ihrer Eigengesetzlichkeit.- 3. Das Wahrhaftigkeits- und Echtheitsstreben.- Die Arten des Festen: Punktuelles, Knochengerst, Leben.- Die Gestalten des Nihilismus.- I. Stadien und Formen der nihilistischen Bewegung:.- Im Wehren gegen den Nihilismus.- 1. Selbstabttung des Jenseitsglubigen.- 2. Selbstverneinung und Selbstmord des Unglubigen.- 3. Das Suchen der Substanz von auen: Rausch, Philosophie usw.- 4. Das Geschwtz der Bildung.- In Einigkeit mit dem Nihilismus.- 1. Der Sophist.- 2. Der Skeptiker.- 3. Der Nihilist der Tat.- II. Der absolute Nihilismus in Psychosen.- B. Der Halt im Begrenzten: Die Gehuse.- Allgemeines: Bedrfnis nach Festem und nach Ruhe. Naive, lebendige und gewhlte, tote Gehuse.- Der Rationalismus.- Die Krfte und die Beweglichkeit der ratio. Mannigfaltigkeit des Rationalismus.- Charakteristik.- 1. Verabsolutierung und Sichselbstberwinden der ratio.- 2. Notwendigkeit und zeitliche Existenz; geschlossenes Weltbild und Grenzsituationen.- Philosophische Lehren.- Sinn der Wahl und des Entweder – oder.- Einzelne Typen.- Autoritarismus.- Liberalismus.- Wertabsolutismus.- C. Der Halt im Unendlichen.- Einleitung: Allgemeines. Aufgabe. Charakteristik des Geistes.- 1. Der Geist als unendlich und frei.- 2. Der Geist als Proze hat irrationale Wendepunkte der Entwicklung und wird getrgen von der Kraft des Glaubens.- a) Wendepunkte.- b) Der Glaube.- 3. Der Geist in seiner Beziehung zum Antinomischen und Mystischen.- Disposition fr die Charakteristik einzelner Gestalten des Geistes.- I. Der Geist zwischen Gegenstzen:.- 1. Der Geist zwischen Chaos und Form.- Was Form sei. Vieldeutigkeit der rationalen Lehren. Begriff der Konsequenz.- Der chaotische, der rigoristisch-konsequente, der dmonische Mensch.- Die Entwicklung in vier Gestalten: Leben; Rigorismus; Chaos; Totalitt, die zugleich Lehre ist.- Allgemein: 1. alles richtig – alles falsch; 2. wolle – wolle nicht; 3. Leben – Tradition.- Hegels Weltanschauung als charakterisierendes Beispiel.- 1. Das Leben ist Denken. Was Denken bei Hegel ist.- 2. Das Wahre ist das Ganze.- 3. Das Unendliche ist nicht Aufgabe, sondern gegenwrtig da. Gegen das Sollen.- 4. Die vieldeutige Stellung zur Realitt.- 5. Die Zweideutigkeit: Betrachtung oder wettende Lehre.- Die indirekte Mitteilung.- 2. Der Geist zwischen Vereinzelung und Allgenieinheit: Das Individuum und das Allgemeine.- Die Grundsituation.- A. Sechs Gegenstze von Einzelnem und Allgemeinem (Ganzem).- 1. Das Allgemeingltige.- 2. Das Allgemeinmenschche.- 3. Das Notwendige.- 4. Der Mensch berhaupt.- 5. Die soziologischen Ganzheiten.- 6. Welt und Gott.- Vieldeutigkeit des “Individualismus”, des “Selbst”. Bewutsein der Substanz.- B. Das Werden des Selbst umschrieben.- 1. Als Aufopferung des Selbst.- 2. Als Stufenfolge des Bewutseins.- 3. Als Offenbarwerden.- Referat Kierkegaards.- Was ist das Selbst? 419. – Proze des Selbstwerdens: Die zwei Prozesse 420. – Offenbarwerden. – Verschlossenheit: zwei Arten 421. – Erstes Hervortreten aus der Unmittelbarkeit 422. – Wege der Ablenkung und Verdunkelung 423. – Sphren der Transformation 423. – Gestaltenreihe unter dem Gesichtspunkt der Zunahme des Bewutseins: ?) Verzweifelt nicht man selbst sein wollen 425. – 1. Verzweiflung ber das Irdische 425. – 2. Verzweiflung am Ewigen oder ber sich selbst 426. – ?) Verzweifelt man selbst sein wollen, Trotz 427. – Das Dmonische 428. – Der dmonische Wille 429. – Weiterer Begriff des Dmonischen 429. – Idealtypen des Dmonischen bei Durchsichtigkeit 430. – Die Gestalten in den Arten der Dunkelheit 430. – Sein Selbst im Konkreten bernehmen und durchdringen oder behaupten 431. – Der Ernst 432..- II. Der Geist nach der Art seiner wesentlichen Realitt 432.- 1. Der Realist.- 2. Der Romantiker.- 3. Der Heilige.- III. Die Polaritt des Mystischen: Der Weg der Mystik und der Weg der Idee.- Die Vieldeutigkeit des ,,Mystischen”.- Das Mystische als Erlebnis und der Proze der Vergegenstndlichung. 440 Das Mystische als Material: Erlebnisgenu oder Entfaltung der Idee. Plotin und Kant.- Charakteristik der substantiellen im Gegensatz zu abgeleiteten Gestalten.- 1. Die Mystik.- 2. Die Idee.- Anhang. Kants Ideenlehre.- Anschauung und Verstand.- Die Ideen der Vernunft: Zerstrung der Metaphysik. Eine positive Bedeutimg: regulatives Prinzip. Chaos der Verstandeserkenntnis, Systematik durch Idee. Prinzip der Ideenbildung: Das Ganze, das Unbedingte. Entgegensetzung von Kategorien und Ideen.- Die Arten der Ideen.- Kants Einteilung. Andere Ordnung.- 1. Die Ganzheiten der Erfalirungsrichtungen: Mechanismus. Organismus. Seele.- 2. Das Ganze des Erfahrungsinhalts: Dinghaftigkeit und Ding. Individuum.- Dreifache Bedeutung der Idee.- 1. Die psychologische Bedeutung.- 2. Die methodologische Bedeutung.- 3. Die objektive Bedeutung.- Theoretische, praktische und sthetische Ideen.- Namenverzeichnis.



